Live: wossibel2go.wossidia.de
Was ist das?
Richard Wossidlo (1859–1939) war ein mecklenburgischer Volkskundler, der Tausende handschriftlicher Karteikarten zu Sagen, Bräuchen und Dialekten Mecklenburgs anlegte. Die Universität Rostock digitalisiert diese Sammlung und macht sie über die WossiDiA-Plattform zugänglich.
Wossibel2Go ist die öffentliche Web-Anwendung dazu. Sie ermöglicht es jedem:
- Digitalisierte Karteikarten nach Kategorien zu durchsuchen
- Gescannte Seitenbilder zu betrachten und per Lightbox zu zoomen
- Bestehende Transkriptionen zu lesen
- Eigene Transkriptionen, Übersetzungen oder Audioaufnahmen beizutragen ( Crowdsourcing )
Architektur
Die Anwendung ist eine klassische SPA mit einem Express-Backend als API-Proxy :
Vue 3 SPA ──> Express Backend ──> WossiDiA API (Uni Rostock)
(Browser) (Proxy/Middleware) api.wossidia.de
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Digipool (Bild-Server)
digipool.wossidia.de
Das Backend hat keine eigene Datenbank. Es leitet Anfragen an die WossiDiA PowerGraph API weiter und reichert die Antworten an — etwa mit Konvolut-Namen aus einer ~30.000-Einträge-Lookup-Map, die stündlich im Hintergrund aktualisiert wird.
Warum ein Proxy statt direkter API-Zugriff?
Die WossiDiA-API erfordert authentifizierte Requests mit Credentials, die nicht im Browser liegen dürfen. Das Backend übernimmt die Authentifizierung (Token-Cache mit 30 Minuten TTL), validiert Eingaben und transformiert die Graph-Daten in ein Format, das das Frontend direkt rendern kann.
Außerdem löst das Backend ein praktisches Problem: Die Konvolut-Signaturen der API enthalten keine menschenlesbaren Namen. Die lokale Lookup-Map ordnet jeder Signatur einen Namen zu — ein O(1)-Lookup pro Eintrag statt zusätzlicher API-Calls.
Navigation und Datenstruktur
Die Sammlung ist hierarchisch organisiert: Kategorien → Konvolute → Belege → Seiten. Die Sidebar bildet diese Hierarchie ab, mit Suche und Pagination auf jeder Ebene:
- Kategorien — Thematische Gruppen wie “Aberglaube” oder “Bräuche”, mit Toggle zwischen Handschriften (ZAW) und maschinellen Transkriptionen (ZTW)
- Konvolute — Bündel zusammengehöriger Karten innerhalb einer Kategorie
- Belege — Einzelne Karteikarten innerhalb eines Konvoluts
- Seiten — Die gescannten Seiten eines Belegs mit Bild-Viewer, Transkription und Beitragsformular
Crowdsourcing: Beiträge ohne Account
Das Beitragsformular ist bewusst niedrigschwellig — kein Login erforderlich. Nutzer können drei Arten von Beiträgen leisten:
- Transkription — Handschriftliche Karten (ZAW) in Text übertragen
- Übersetzung — Vorhandene Texte in andere Sprachvarianten übersetzen (Hochdeutsch, Plattdeutsch, Mischformen)
- Audioaufnahme — Direkt im Browser aufnehmen (MediaRecorder API), als Base64-kodiertes WAV
Beiträge werden über das Backend als neue Nodes in der WossiDiA-Datenbank erstellt.
Wossidlos Zettelkasten
Wossidlos Sammlung ist ein klassischer Zettelkasten — ein System, bei dem Wissen auf einzelne Karten geschrieben und über Signaturen, Kategorien und Querverweise vernetzt wird. Jede Karte steht für sich, gewinnt aber ihren Wert durch die Einordnung in ein Netz aus Bezügen. Wossidlo hat so über Jahrzehnte ein Wissenssystem aufgebaut, das weit mehr ist als eine Ablage: Die Verbindungen zwischen den Karten machen die Sammlung navigierbar und ermöglichen Entdeckungen, die eine lineare Liste nie zeigen würde.
Dieses Prinzip lebt in modernen Tools weiter. Programme wie Obsidian, Logseq oder Roam Research digitalisieren die Zettelkasten-Methode: Einzelne Notizen werden über Backlinks, Tags und Graphen vernetzt — ein “Second Brain”, in dem Zusammenhänge sichtbar werden, die beim Schreiben noch nicht geplant waren.
Der Knowledge Graph auf diesem Portfolio ist direkt von diesem Gedanken inspiriert. Blog-Posts und Projekte sind die Zettel, Tags und explizite Verlinkungen sind die Querverweise. Der interaktive Graph macht die Vernetzung sichtbar — genau wie Wossidlo es mit seinen physischen Karteikarten und Signaturen getan hat, nur mit Cytoscape.js statt Karteikästen aus Holz.
Design: Historisch statt modern
Das Farbschema orientiert sich bewusst an Archiv-Ästhetik: Pergament-Hintergründe, Sepia-Töne, Playfair Display als Serifenschrift für Überschriften. Die Akzentfarben — ein gedämpftes Blau und Rot — sind an die Landesfarben Mecklenburg-Vorpommerns angelehnt.
Was ich gelernt habe
- Fremde APIs erfordern eine Proxy-Schicht — Authentifizierung, Validierung und Datentransformation gehören nicht in den Browser. Ein dünner Proxy trennt Verantwortlichkeiten sauber und schützt Credentials.
- Große Lookup-Daten brauchen eine Strategie — 30.000 Konvolut-Einträge bei jedem Request von der API zu holen wäre zu langsam. Ein stündlicher Background-Refresh mit Fallback auf eine statische Datei ist ein pragmatischer Kompromiss.
- Crowdsourcing funktioniert nur ohne Hürden — Kein Account, kein Captcha, minimale Pflichtfelder. Je niedriger die Schwelle, desto mehr Beiträge kommen rein.